Skat-Strategien: Reizung - Relevanz u Orientierung

VETTELmitmTURBO, 09. Februar 2026, um 17:56

Heyho,

ich weiß leider nicht ob es schonmal einen Thread gab, der das Reizen fokussiert, konnte zumindest nixx finden aufm ersten Blick..
halte es aber durchaus für sehr sehr überfällig!!

sicher ist es nicht grundsätzlich gut immer nach Reizung aufzuspielen, wenn es eine gibt! Manchmal reizt jemand null (ouv..h..) was weniger Infos gibt, manchmal gar nicht und manchmal wiederum brechen Leute einfach so irgendwo im nirgendwo ab beim Reizen (vll aus Angst oder Verklicker oder schiefem Blick...weiß der Geier!) - alles richtig! Argument abgekauft!!

manchmal hat man selber auch einen sehr guten Plan, der zum Aufspielen einer Farbe oder gar eines Bu entgegen der Reizung der PartnerIn einlädt und dann auch konsequent verfolgt ins Ziel führen kann!!

so weit so gut, das wars dann aber auch mit Ausnahmen oder?
Wem noch was einfällt, bitte gerne hier preisgeben=D

in den allermeisten Fällen ist jedoch festzustellen, dass Spiele, die auf tot stehen, weil einer eben auch ein Spiel (+gereizt!!) hat, nun locker biegbar wären, aber nicht gebogen werden, weil weiß ich nicht was u warum alternativ kommt..

wie sind da eure Erfahrungen?
Habt ihr ein ähnliches Gefühl?
Denkt ihr ganz anders darüber und meint blank ist immer richtig oder so..?

Würde mich über einen Austausch darüber freuen u denke, dass das (leider immer noch) viel zu sehr unterm Radar läuft!

LG

Distel, 09. Februar 2026, um 18:41

In erster Linie spiele ich mein Blatt. In den meisten Fällen eröffne ich ein Gegenspiel mit meiner starken Farbe (größte Wahrscheinlichkeit, dass der Alleinspieler stechen muss oder gestochen wird). Erst, wenn sich in meiner Hand nichts anbietet (Rollmops o.s.), richte ich mich nach der Reizung meines Mitspielenden. Dies ist immer noch erfolgsversprechender, als völlig ins Blaue zu raten.

Kartenvernichter, 09. Februar 2026, um 18:50

Was oft irritierend ist…manche halten ihr Spiel, wenn sie es hören, manche passen es

Bremer1969, 09. Februar 2026, um 19:11

Könnte aber dann auch dran liegen, dass man die "22" z. B. schon vorher angeklickt hat, kann ne böse Falle dann u. U. sein.Normal passt man ja, wenn man sein Spiel/max. Reizwert hört.

Distel, 09. Februar 2026, um 19:23

@Kartenvernichter: Stimmt, aber das ist eine Vorgehensweise, deren Logik sich mir noch nie erschlossen hat (auch, wenn erfahrende Spielende dies argumentativ begründet haben). Ich spiele dann die Farbe, die mein Mitspielender angesagt hat.
@Bremer1969: Ich gehöre nicht zu den Spielenden, die zufällig irgendwelche Reizwerte anklicken. Jene werden von mir gesperrt.

Kartenvernichter, 09. Februar 2026, um 19:47
zuletzt bearbeitet am 09. Februar 2026, um 19:50

Bei angesagt ist ja ok.
Es gibt das Sprichwort….ich sage was ich habe, aber ich passe was ich höre.

Beispiel…habe ich einen einfachen Kreuz, dann sage ich 24. Höre ich aber 24, dann passe ich.
Argumentation:
a) Wenn der andere ein höheres Spiel hat, dann komme ich eh nicht dran. Wozu also das Spiel halten?
b) Sollte der Sagende zufällig das gleiche Spiel haben, sinken die Wahrscheinlichkeiten mein eigenes Spiel zu gewinnen signifikant, da mit einem trumpfstarken Gegnerspieler zu rechnen ist. Also verlege ich mich dann darauf, statt das eigene Spiel eventuell zu verlieren, lieber das andere Spiel zu drehen.
c) Des Weiteren weiß ein guter Mitspieler in dem Fall, das man selber einen Kreuz hat, während er bei 27-passe (eigenes Spiel gehalten) eher von einem Karo ausgeht und in dem Fall zusätzlich noch das ich entweder zwei Hochbauern habe oder keinen davon und den Herz Bauer führe. Bei 24-passe kann er aber von einem schwarzen Bauern ausgehen.

Das sind alles Informationen, die für den Mitspieler für das Gegenspiel wichtig sind. Ich muss leider zu meiner Schande gestehen, das ich mich auch nicht immer 100% dran halte und online meine Konzentration diesbezüglich niedriger ist als beim Realskat.

Bremer1969, 09. Februar 2026, um 20:21

@KV schön beschrieben

@D.
Schrieb ich was von "zufällig"? 🧐
... Und wen du hier weswegen sperrst ist auch höchst (un)interessant 😂

VETTELmitmTURBO, 10. Februar 2026, um 08:12

ja, das richtige Reizen ist auch son Ding, wo es hin u wieder mal hakt, aber auch bei klarer Sachlage kommt es immer wieder vor wie hier in einem (Parade?)Bsp:#410.430.754
dass einfach die Augen verschlossen werden, obwohl es Infos auf dem Präsentierteller gibt! wie fatal u zugleich easy zu lösen das war, erkennen manche dann leider auch im nachhinein nicht...
auch die Frage: wie soll der Grand aussehen? ..würde ja oft schon Aufschluss darüber geben, dass die Reizung des Partners das einzig verlässlich-sinnvolle ist..?

Ramare, 10. Februar 2026, um 09:06

kV:
top dein Beitrag!!! Genauso reize und spiele ich auch.
Kleinen Zusatz:
ich empfehle allen nicht zw.durch abzubrechen. Heißt: Karo ohne Vieren reize ich bis 18, 27, 36, 45, 54!
Breche aber niemals dazwischen ab.

Distel, 10. Februar 2026, um 09:43

Ja, KV, super beschrieben, ich verstehe auch die Argumentation, aber ... wenn ich ein 24er Spiel auf der Hand habe, halte ich auch die 24. Sollte mein Gegenspieler dann auch kreuzstark sein, kommt halt die Glücksspielkomponente zum tragen. Schade, passiert, es ist ein Spiel. Wer nicht bereit ist, zu verlieren, verdient es nicht zu gewinnen, vor allem aber spielt er/sie/es nicht.
Passt mein Mitspielender in jenem Beispiel die 24, gehe ich davon aus, dass dort ein Nullspiel auf der Hand ist und agiere evtl. entsprechend anders.

Nein, Bremer, "zufällig" hast du nicht gesagt, aber "vorher" (vor was?) klickst du die 22 an und tappst dann in eine selbstgestellte Falle? Klingt mir zu willkürlich.

Bremer1969, 10. Februar 2026, um 10:26
zuletzt bearbeitet am 10. Februar 2026, um 10:26

Ich sehe mein Blatt, will einfach Pik spielen und klicke aus Bequemlichkeit schon mal auf die 22. Ist das wirklich SO schwer zu verstehen, was ich damit gemeint haben könnte? 😕

Ramare, 10. Februar 2026, um 10:36

Distel:
dein Reizverhalten macht wirklich keinen Sinn. Reizt du Kreuz einfach und hörst 24, dann solltest du passen. Hat ja nunmal 2 Gründe:
1) Du kannst vor die Pumpe laufen, wenn der GS ebenfalls Kreuz gereizt hat und
2) Du bringst deinen Partner durcheinander, da du ja dann bei 27 passt. Somit wird dein Partner ein Karospiel bei dir vermuten.
Dazu kommt, dass der Gegenspieler kein Null gereizt haben kann, wenn er dir 24 sagt.

LouisDega, 10. Februar 2026, um 10:51

Das Ganze hat doch mit einer „Glücksspielkomponente“ wenig zu tun.

Wenn ich etwa Pik einfach spielen möchte und höre 22, kann es sein, dass der Ansagende ebenfalls Pik spielen will. Dann sage ich allerdings nicht zwingend weg, nur weil es den oben beschriebenen Merksatz gibt. So apodiktisch ist das Ganze sicherlich nicht zu verstehen.
Der Merksatz ist eher so eine Art Weckruf „Vorsicht an der Bahnsteigkante - der andere will möglicherweise auch Pik spielen.“
Dann schätze ich unter dieser Prämisse in einem zweiten Schritt meine Gewinnchancen ein. Dies hängt in erster Linie von der Stärke meiner Beikarte ab und kann auch davon abhängen, ob ich Ausweichmöglichkeiten, etwa Null, habe. Eine gewisse Rolle mag auch spielen, ob ich die Risikofreudigkeit des Ansagenden beurteilen kann. Hoffnung auf einen guten Stock würde ich eher nicht setzen, da die Findung eines weiteren Trumpfs angesichts der Gegenreizung nicht so wahrscheinlich ist.

Von der Abwägung dieser Umstände mache ich mein Reizverhalten abhängig. Erfahrungsgemäß halte ich so in den meisten Fällen den angesagten Wert nicht - gefühltes Verhältnis 80:20.

In den 80 Prozent suche ich meinen Erfolg dann im Gegenspiel.

Wer stets den angesagten Wert hält, wird in der Summe Negativerträge erzielen. Einigen, die nur random ohne Kohle spielen, mag dies wumpe sein. Das hat dann allerdings mit ambitioniertem Skatspiel nichts zu tun.

Bremer1969, 10. Februar 2026, um 11:54

#410.482.875
Paradebeispiel 🥳

Ramare, 10. Februar 2026, um 12:15

Absolut!

Gereizt hat der Gegner richtig. Gespielt hat er schwach. 5) Karo-Bube ?
wieviel Trümpfe hat er gedanklich noch für seinen Partner? Völlig unklar.
6) Herz-Ass ?
wieviel Trümpfe hat er jetzt gedanklich noch für seinen Partner? Weiterhin ein Ratespiel für ihn.
7) Herz-Zehn ?
Erst jetzt weiß sein Partner, dass alle Trümpfe abgezogen sind.
Man muss dem Partner immer soviel Infos geben wie möglich. Oben die Reihenfolge ist nichts sagend.

Kommt aber 5) Herz-ZehnHerz-Sieben
weiß der Mitspieler sofort, dass sein Partner auch noch die beiden höheren Trümpfe hat.
Genau solche Spielabläufe machen sehr oft den Unterschied zw. Sieg und Niederlage.

Kartenvernichter, 10. Februar 2026, um 12:25
zuletzt bearbeitet am 10. Februar 2026, um 12:25

@ Louis
Ein solches Reizverhalten macht dich dann aber für deinen Mitspieler unberechenbar. Viele Mitspieler setzen aber auf solch "ungeschriebene" Gesetze, von denen es noch mehr gibt wie zum Beispiel die Ass Anzeige durch Gegenfarbe beim Grand oder beim Aufspiel Lusche=ich habe das Ass der Farbe/Bild = ich habe das Ass der Farbe nicht, um die 10 des Partners zu schützen.
Dieses kommunikationslose Verständnis zweier Gegenspieler untereinander eröffnet ihnen dann aber eine wesentlich größere Chance im Gegenspiel, wenn sie genau wissen was welche Karte zu bedeuten hat und sich darauf auch verlassen können.

Distel, 10. Februar 2026, um 13:16

Richtig, Kv.

Wenn drei Spielende am Tisch sitzen, sind auch drei Spielweisen dabei. Im Laufe der Runden erkennt man das System der anderen und kann sich darauf einstellen.
Ich reize anders als es einige Spielenden machen, bin in meinem Spielverhalten aber klar und biete somit auch eine klare Kommunikation.
Mein Skatspiel ist nicht ambitionslos, meine Ambitionen liegen allerdings in der Spielgestaltung und nicht im Spielgewinn. Ich mache zwar weniger Gewinn pro Spiel als du, Louis, aber von Negativerträgen bin ich weit weg.
Wenn ich Geld haben will, spiele ich nicht, sondern arbeite.

VETTELmitmTURBO, 10. Februar 2026, um 13:37

bei "#410.482.875 Paradebeispiel 🥳"
versteh ich leider weder was das richtig mit dem Threadthema zu tun hat noch das Spiel an sich.. v.a. herz bu find ich nicht nachvollziehbar

KV, genau das ist das Geniale beim Skat! Das Lesen der Gegner und das Verstehen der Partner im Zusammenspiel... wenn man da merkt dass es ein bewusstes Spielen ist; dass Signale verstanden werden und man selber welche für voll nehmen kann, das ist dann Skat @t its best=D

Bremer1969, 10. Februar 2026, um 13:52
zuletzt bearbeitet am 10. Februar 2026, um 13:53

@Andi es ging ums "richtige reizen". Ich sag 20 Herz an, Gegenspieler sagt rechtzeitig weg, der auch Herz auf der Hand hat.Ob man was besser hätte spielen können/sollen steht nicht zur Debatte. Das ich kein Skat kann, ist ja hinlänglich bekannt ;-)

Distel, 10. Februar 2026, um 14:00

Und um nochmal das Paradebeispiel aufzunehmen: Ich halte die 20 und bekomme mit dem Skat einen Grand.

Ramare, 10. Februar 2026, um 14:09
zuletzt bearbeitet am 10. Februar 2026, um 14:13

Distel:
bleib bei deinen falschen Gedanken und spiele einfach so weiter. Skat ist eindeutig ein Wahrscheinlichkeitsspiel. Du wirst zu gefühlt 80-90% (reines Bauchgefühl)
solche Spiele verlieren.

Zur Verdeutlichung:
80-90% der Spiele, wo der Gegner das gleiche Spiel reizt.

Distel, 10. Februar 2026, um 14:27

Ja, oder ich bekomme einen Grand.
Und ich bin nicht so vermessen, zu behaupten, Menschen, die eine andere Spielweise haben als ich, würden falsch denken. Du denkst nur anders als ich, hast aber offensichtlich ein anderes Ziel.

Ramare, 10. Februar 2026, um 14:34

Distel:
einige Spielabläufe/strategien haben nichts mit Denken zu tun. Sondern mit Wahrscheinlichkeitsberechnungen.

LouisDega, 10. Februar 2026, um 14:35

KV:

In meinem Beispiel - der Spieler möchte Pik spielen und hält die 22 - ist eine falsche Info ausgeschlossen. Jetzt müssen ja 23 angesagt werden, auf die dann passe erfolgt. Jetzt geht aber doch niemand ernsthaft davon aus, dass der Passende passt, weil er einen Null spielen möchte.

Richtig ist im Grundsatz, dass man seinem potenziellen Mitspieler die zutreffende Info geben soll. Hier bin ich aber noch in dem Stadium, dass die nicht unwahrscheinliche Möglichkeit besteht, die Spielerrolle zu generieren, es also zu keinem Gegenspiel kommt. Dann ist es mir wert, mein beabsichtigtes Spiel auch durchzureizen.

Komme ich nicht ans Spiel, sollte man von seinem Mitspieler erwarten, dass er das Regel-Ausnahmeverhältnis kennt und ggf. ein Ausnahmeverhältnis in Erwägung zieht. Hinzu kommt, dass sein Kartenstand nicht selten eine solche Vermutung nahe legen wird.

Wer dogmatisch vorgeht, müsste übrigens stets auf Hebereizungen verzichten. Hier besteht ja auch die Gefahr der Irritation des Mitspielers.
Gleichwohl hat sich die Hebereizung in der Skatpraxis etabliert.

Distel, 10. Februar 2026, um 14:41

Ja, Ramare, und Spielen hat etwas mit spielen zu tun. Ich spiele auch nicht gegen Computer, wäre mir viel zu langweilig.

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