Unterhaltung: JE SUIS PARIS

Ex-Stubenhocker #186, 21. November 2015, um 16:48

Was genau betrachtest du aber dann als ihre Weltanschauung? Und wie könnte man Jugendlichen beibringen, dass es faszinierend ist, Terror auszuüben? Sicher, gegen Schwächere vorzugehen, ist durchaus vermittelbar. Diese sind aber personifiziert. Und auch die größten Chaoten, die sich vor Sachbeschädigung nicht scheuen, und dabei evtl. Menschenopfer billigend in Kauf nehmen, sind doch deswegen noch lange nicht in ihrer Einstellung bewusste Selbstmordattentäter, oder siehst du das anders?
Und auf welche Fragen hat denn die oder der IS einfache Antworten?

Ich gestehe ja gerne ein, dass ich ein fanatischer Gegner jeder Religionsgemeinschaft bin, aber ich möchte gerne objektiv bleiben.

Du, DW, magst zwar von atheistischen "Gemeinschaften", bzw. lockeren Organisationsstrukturen wenig oder nichts halten, doch kann ich mir nicht vorstellen, dass Vertreter solche Strukturen mit ihren Gedanken einfach zur Tagesordnung übergehen würden, wenn jemand "im Namen der atheistischen Idee" zu Terrorhandlungen gegen Gläubige aufrufen würde.

Und was nun die interne Ablehnung innerhalb des Islam betrifft: Soooo friedlich und gewaltlos sind ja nun diejenigen auch wieder nicht, die hier die IS zum Feind erklären.

Noch anders gefragt oder gesagt: Wir sollten uns vielleicht weniger darum kümmern, welche Obergrenzen man zahlenmäßig setzen sollte oder ob überhaupt welche. Wir sollten und dürfen wohl nicht daran denken, wie wir uns vor Menschen schützen können, die voller Hoffnung in unser Land fliehen! Das wäre nämlich tatsächlich Gedankengut der verhassten rechten Brut!

Aber zu denken, wie wir uns dafür schützen, dass das religiös geprägte - echt oder eben nur vorgegeben, wenn du Recht hast - Gedankengut von menschenfeindlichen Fanatikern in Deutschland verbreitet wird, das darf man nicht nur fragen, sondern muss man fragen!

Dag, 21. November 2015, um 16:51

ich bin getauft und trotzdem nicht verantwortlich für die Entscheidungen von oben, weder dass die kath. Kirche Kondome verboten hat und damit in einigen Ländern für sehr viele Kinder und Aids mitverantwortlich ist, noch dass sie in Afrika,die https://de.wikipedia.org/wiki/Notre-Dame-de-la-Paix_de_YamoussoukroKopie vom Petersdom gebaut haben, obwohl die Bevölkerung dort große Not hat.
Ich bin auch nicht für die Glaubenskriege verantwortlich die in Europa noch bis 1975
https://de.wikipedia.org/wiki/Nordirlandkonflikt stattfanden.
Damit will ich nur sagen, friedlich praktizierende Moslems sind auch nicht für Fanatiker ihrer Religion verantwortlich.

georgbest, 21. November 2015, um 17:00
zuletzt bearbeitet am 21. November 2015, um 17:02

John2:

Wer ist denn auf der welt angesichts der mordtaten des is zur "tagesordnung" übergegangen????

Selten ist man sich doch in einer sache so einig gewesen - es handelt sich hier um abscheulichste verbrechen gegen die menschlichkeit. Keiner geht da mehr guten gewissens zur tagesordnung über.

Ex-Stubenhocker #186, 21. November 2015, um 17:06

Sagen wir mal so, Dag. Du erklärst dich einfach für nicht verantwortlich. Und da es keine Instanz gibt, die hier über eine etwaige doch vorhandene (Mit-) verantwortung richten könnte, ist deine Ansicht nicht zu widerlegen.

Für mich gilt jedoch: Mit einer weltanschaulichen Gemeinschaft, wie sie eine Religion nun wohl als typische (vielleicht die einzige?) Form darstellt, die von ihren Mitgliedern mehr erwartet und verlangt als Beitragszahlungen (z. B. gemeinsame Riten, öffentliche Bekenntnisse usw.) gehe ich als Mitglied dieser Gemeinschaft entweder konform oder nicht. Wenn ich konform gehe, dann kann ich nicht plötzlich meine Solidarität ausklinken, wenn etwas geschieht, das mir nicht passt.

Wohlgemerkt, bevor Vergleiche kommen, wie: "Hört man das Fußballspielen auf, nur weil der DFB und die FIFA korrupt sind".

Religionsgemeinschaften sind solche, die nicht nur eine Angelegenheit, wie z. B. organisierte Fußballspiele, regeln wollen und dabei moralisch gesehen naturgemäß der menschlichen Unzulänglichkeit unterworfen sind, sondern es sind selbst Institutionen, die für ihre Mitglieder moralische Richtlinien herausgeben.

Du schreibst "Damit will ich nur sagen, friedlich praktizierende Moslems sind auch nicht für Fanatiker ihrer Religion verantwortlich". Schön, diese Fanatiker aber sind der Auffassung, es ist nicht Aufgabe der Moslems, friedlich ihre Religion zu praktizieren, sondern ihren Glauben mit allen Mitteln, eben auch mit kriegerischen, zu verbreiten.

Hoffentlich gelingt es ihnen nicht, die friedlichen Moslems davon zu überzeugen, dass sie sich auf einem Irrweg befinden mit ihren friedlichen Praktiken! Wenn doch, ......
ich will den Scheitan oder wie auch immer er heißen mag, wirklich nicht an die Wand malen.

Ex-Stubenhocker #157894, 21. November 2015, um 17:07

Das vorderrangige politische Ziel des IS ist es einen Gottesstaat zu gründen, in Form eines Kalifats.
Andere politische Ziele des IS sind Genozide an Kurden und Jesiden, die Vernichtung Israels und das Zurückldrängen westlicher Einflüsse im Nahen Osten und die Verbreitung des Terrors in alle Welt.

Ihre Weltanschauung mutet steinzeitlich an. Wahhabitische Vorstellungen eines Islam, wie es ihn unter den Wüstenstämmen des Mittelalters gegeben hat. Mit Riten und Verhaltensmustern dieser Stämme, die älter als jede Religion ist.

Einfache Antworten auf alles hat der IS besonders Jugendlichen zu bieten. Die westliche Welt ist dekadent, unmoralisch und dem Untergang geweiht.
Innerhalb des IS gibt es nur Zusammenhalt, Brüderlichkeit, ein von Gott gerngesehenes Wohlverhalten.
Komplexe Zusammenhänge in dieser säkularen und relativistischen Welt stören da eben nun mal.

Ex-Stubenhocker #186, 21. November 2015, um 17:10

aoS: Das habe ich niemandem unterstellt. Konkret habe ich Folgendes gemeint: Ein Zeichen der genannten Islam-Vertreter, dass körperliche Gewaltstrafen wegen Scharia z. B. sofort abgeschafft werden, das wäre überzeugend. Ansonsten magst du ja davon überzeugt worden sein, dass sich die restliche islamische Welt von diesen Taten - und von Gewalt an sich - distanziert, weil dies irgendein arabischer Imam so ausdrückt. Du musst aber mir zugestehen, dass mich ein bloßes Lippenbekenntnis nicht vom Hocker reisst.

Ex-Stubenhocker #186, 21. November 2015, um 17:13

Beten ist individuell und sollte es auch bleiben. Wer betet, kann nur dann eine Mitschuld tragen, wenn er für etwas Böses beten UND das Objekt seines Gebetes existieren würde.

Ex-Stubenhocker #159827, 21. November 2015, um 17:14

John,das ist schon sehr schwarz gesehen.
Normal empfindende Menschen umpolen zu können.
Schon garnicht durch Gewalt.

Ex-Stubenhocker #186, 21. November 2015, um 17:15

Dagwood, und das alles soll nun wohl mit Religion, bzw. "Vorstufen davon nichts zu tun haben?

Ex-Stubenhocker #186, 21. November 2015, um 17:21

Leise beten, bitte! 🙏

Oder von mir aus auch gemeinsam, aber dann für etwas Gutes, z. B. Weltfrieden.

Ich denke ja mal, dass in den Moscheen nicht für die Vernichtung aller Ungläubigen gebetet werden wird.

@husumer: Du hast Recht, hoffentlich! Ich bin ja selbst ein sehr optimistischer Mensch. Der Haken hierbei ist halt nur, dass in diesem Falle Optimismus allein nicht reicht. Denn damit, dass Tage ohne Terror vergehen, ist er halt nicht aus der Welt.

Dag, 21. November 2015, um 17:21

John ganz ehrlich, jeder Mensch ist erstmal für sich, sein Handeln, sein Denken und vieles weitere verantwortlich.
Und nein ich bin nicht dafür verantwortlich das alte Knacker irgendwas beschließen, wo welcher " Dom" oder Kondome benutzt werden und auch friedliche Moslems sind das nicht und können ganz bestimmt selbst entscheiden wie sie ihren Glauben annehmen und praktizieren.

Ex-Stubenhocker #157894, 21. November 2015, um 17:24

Hinter dem IS stecken keine Betbrüder. Schon eher der ehemalige irakische Geheimdienst und Ex-Militärs sowie ehemalige Al Kaida Kämpfer.
Die Religion ist nur das Deckmäntelchen für ihre Terrortaten.
Der Terror kommt bestens auch ohne Religion aus.
Man muss sich nur einmal die Herkunft des Begriffs ansehen.

Ex-Stubenhocker #186, 21. November 2015, um 17:27

na gut, wenn sie friedlich bleiben, ist ja alles ok. Ob man aber die Ausübung einer -sagen wir mal "von manchen Fanatikern als Rechtfertigung eines weltweiten Terrors benützten Religion" - nicht nur dulden muss, sondern aus übersteigertem Toleranzempfinden heraus sogar noch fördern muss, darf man wohl in Zweifel setzen.

Wer von unseren Politikern - es war sicher kein Rechter - sagte kürzlich sinngemäß: Das Grundgesetz steht über dem Islam.

Ex-Stubenhocker #157894, 21. November 2015, um 17:29
zuletzt bearbeitet am 21. November 2015, um 17:37

"Das Grundgesetz steht bei uns über dem Koran, der Bibel und jedem anderen Buch."

Thomas Strobl
(Stellvertetender CDU-Vorsitzender und Landesvorsitzender der CDU in BW)

Ex-Stubenhocker #159827, 21. November 2015, um 17:34

John,befürchtest Du eine Indoktrination unserer Gesellschaft durch den Islam?
Und wenn ja, warum?

Ex-Stubenhocker #186, 21. November 2015, um 17:37

Ich denke mal, wir sind in einer Sackgasse angelangt mit der Diskussion.

Vielleicht hilft ein persönliches Wort, meinen Standpunkt zu klären.

Ich bin vor ca. 20 Jahren aus der Kirche ausgetreten. Der Grund waren Glaubenszweifel. Warum nicht gleich bei diesen? Bequemlichkeit. Warum irgendwann? Absicht, Geld zu sparen.

Danach gab es viele Dinge, bei denen ich bedauert habe, bereits die kath. Kirche verlassen zu haben. Ich hätte wegen meiner gefühlten Mitverantwortung für die Gemeinschaft keine Sekunde mehr dabei sein können; ich denke nur an das Bekanntwerden des Missbrauchsskandals.

Einfach zu sagen: Das waren ja andere, die nur zufällig der gleichen Gemeinschaft angehören wie ich, wäre mir nie in den Sinn gekommen. Nicht bei einer Gemeinschaft, die an ihre Mitglieder moralische Forderungen stellt und deren Vertreter ihre von der Kirche geförderten Stellungen, z. B. in Heimen, und ihren Status als "Respektspersonen" für Verbrechen ausnützen.

Wer noch dabei ist, bei dieser Glaubensgemeinschaft, mag ja seine (Mit-) verantwortung gerne ablehnen. Ich hätte es nicht gekonnt und getan.

Ex-Stubenhocker #157894, 21. November 2015, um 17:41

Also die Religionsfreiheit ist ein verbrieftes Grundrecht unseres freiheitlichen demokratischen Rechtsstaate.

Dieser denkt nicht einmal daran, friedliche Muslime hier in unserer Gesellschaft in Geiselhaft zu nehmen, für die Terrortaten des IS.

Denn das wäre mit einer Demokratie nicht vereinbar.

Ex-Stubenhocker #186, 21. November 2015, um 17:43

hagenstein, ich versuche genau das Gegenteil. Keine deutlicheren - du meinst natürlich unsachlichen - Aussagen zu provozieren. Nichtsdestotrotz respektiere ich Dagwood nun - bewundern wäre zu viel gesagt - aber diese Entwicklung musst DU ja nicht verstehen.

husumer: Einigen wir uns darauf, dass ich diese Befürchtungen habe, sagen wir mal emotional, rational also nur bedingt begründen kann, und hoffe, dass sie erstens unbegründet sind und zweitens ich vom Gegenteil überzeugt werde.

Ex-Stubenhocker #186, 21. November 2015, um 17:45

Dagwood: Das hat wohl auch niemand so gesagt und gemeint.

Schönen Abend und danke an alle für die interessante und sachliche Diskussion.

Ich meine, es besteht kaum noch Klärungsbedarf. Wenn doch, ich will mich nicht drücken.

Ex-Stubenhocker #157894, 21. November 2015, um 17:47

Welche Mitverantwortung bzw. Verantwortung trägt ein Katholik für die Straftaten anderer ?

Welche Mitverantwortung oder Verantwortung trägt jeder Polizist wenn ein anderer Polizist einer Straftat überführt wurde ?

Welche Mitverantwortung oder Verantwortung trägt ein Fußballspieler wenn ein anderer Mitspieler foul spielt ?

Es gibt keine Sippenhaft in einer Demokratie. Jeder kann nur für sein Handeln zur Verantwortung gezogen werden.

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